Mittwoch, 11. Januar 2012

Eine Lanze für den Webrahmen

... möchte ich mit diesem Post brechen.

In manchen Blogeinträgen und in einem Forum lese ich immer wieder, dass man mit einem Webrahmen nicht "richtig" weben kann. Da geht mir mit Verlaub gesagt jedes Mal die Hutschnur hoch. Wer bestimmt denn, was "richtig" weben ist? Meiner Meinung nach kommt es immer auf den Verwendungszweck und das zu verarbeitende Material an.

Ich z.B. webe, um meine handgesponnenen Garne zu verarbeiten. Dafür ist mein Ashford-Webrahmen genau das Richtige. Wenn man unter "richtig" weben feinste Stoffe mit 140 cm Webbreite oder Geschirrhandtücher in Waffelpique versteht - das kann ein Webrahmen nicht. Aber mit Hilfe eines einfachen Musterstabes bzw. bei Einsatz eines zweiten Webblattes kann man auch mit dem Webrahmen verschiedene Muster weben.

Mein Rahmen hat eine Webbreite von 80 cm, d.h. der fertige Gewebe hat eine Breite von 70 - 75 cm. Mit dieser Breite kann ich (theoretisch ;-)) auch Kleidung nähen, Kissen, zwei Bahnen als Decke zusammensetzen usw. Außerdem finde ich, dass meine handgesponnenen Garne mit der Leinwandbindung am besten zur Geltung kommen. Ein kompliziertes Webmuster würde da untergehen.

Dazu kommt, dass ich die Kette in einer halben Stunde aufgezogen habe und losweben kann. Bei einem Webstuhl sieht die Geschichte ganz anders aus. Der Rahmen nimmt sehr wenig Platz weg, man könnte ihn bei Nichtgebrauch auch einfach an die Wand hängen und er ist in der Anschaffung günstig, alles Vorteile gegenüber einem Webstuhl. Ich behaupte: auch mit einem Webrahmen kann man "richtig" weben.

Genug der Worte, hier nun Fotos von meinem neuen Webprojekt "nur" auf einem Webrahmen gewebt:

Die Kette besteht aus den BFL-Resten meiner Häkeldecke Mare, für den Schuss habe ich einen BFL-Kammzug als dicken Single versponnen. Den Stoff habe ich bei 40° in der Waschmaschine gewaschen und anschließend die Tasche von Hand genäht (sogar mit richtigem Taschenboden). Um die geschnittenen Kanten noch besser zu verfilzen, hat die Tasche dann im Wäschenetz nochmal eine Runde in der Waschmaschine gedreht und dann hat alles gepasst. Die Endgröße ist genau so geworden wie geplant, das hat mich dann doch etwas überracht ;-) Ein ausgedienter Westernzügel dient als Trageriemen und der Fisch aus Olivenholz kommt aus Portugal und war mal ein Schlüsselanhänger.

Und noch eine Tasche habe ich zu zeigen. Aus einem missglückten Webexperiment hat mir meine Tochter eine kleine Tasche genäht. In diesem Fall wurde nichts verfilzt, dafür hat die Tasche ein Futter aus einem Jeansstoff bekommen. Die Träger sind ausgefilztem Kammzug und verschlossen wird sie mit einem Druckknopf.


Die Farben sind in Wirklichkeit viel leuchtender, aber mir hat heute das Wetter mal wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht. Den ganzen Vormittag (den ich im Büro verbracht habe) war strahlender Sonnenschein und pünktlich um 12.30 kamen ganz schnell ganz viele Wolken. 

Hoffentlich stimmt der Wetterbericht wenigstens für morgen, ich habe zwei Wäschekörbe voll Kammzüge zum Fotografieren rumstehen.

Kommentare:

  1. Ich gebe dir vollkommen recht. Auch mit einem Webrahmen kann man wunderbare Dinge weben. Man kann sogar Rosengang damit weben.
    Deine Taschen gefallen mir sehr gut. Vorallem die Filztasche geflällt mir sehr.
    lg Elke

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  2. Hey Melanie, die beiden Taschen sind doch super. Die würde ich beide sofort benutzen! :)

    Herzliche Grüße aus dem miesepetrigen verregneten Hamburg.

    Silke

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  3. recht hast Du.Auch mit einen Webrahmen kann man schone Dinge werkeln.Deine Taschen sind sehr schön geworden.
    Liebe Grüße
    Helga

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  4. oh wie klasse !!! ich würde auch unheimlich gern mal weben .... hab mich aber noch nicht angetraut....
    lg
    steph

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  5. Danke, du sprichst mir aus der Seele, ich halte einen Rahmen für super aus genau den genannten Gründen.

    Ich mag die Webereien auch eher schlicht und das Garn macht eh den Effekt, also, warum das halbe Haus vollstellen....

    Danke, ka

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  6. Hab auch einen 80er Webrahmen und webe sehr gerne darauf. Ich hab schon 2 Kissen gewebt 50 x50 cm. Jetzt ist ein Schal dran. Blos mit der Kette da experimentier ich noch rum. Die nächste wird dann aus eigener Wollproduktion sein . Ich hab den Originalkamm dazu und denke aber das ich noch mal eine andere Größe brauche. Hab den Ashford Riggid Heddle Loom. Nimmst du für deine dicken Garne eine andere Kammgröße? Hoffentlich weißt du was ich meine, bin noch Anfänger und kenn mich mit den begriffen noch nicht so aus.

    LG Bärbel

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  7. Ich bin ja ein totaler Fan deiner Webarbeiten und ich habe mir ganz ehrlich noch nie Gedanken gemacht, ob du diese tollen Sachen auf einem Webstuhl oder eine Webrahmen anfertigst. Das Ergebnis zählt doch und deine Ergebnisse sind immer wunderschön. Was nutzt denn ein Riesenwebstuhl, wenn man kein Geschick und kein Gefühl für Farben hat? Ich bin mir sicher, dass du selbst auf einem kleinen Schulwebrahmen einen wunderschönen Schal weben würdest :-)
    Lieben Gruß Sabine

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  8. Ganz meine Meinung, Danke fürs sagen! Ich liebe meinen Webrahmen und ich hätte nie im Leben die Geduld, einen Webstuhl zu bespannen, vorher geht mir die Hutschnur hoch. Und mit ein bisschen Übung gibt es tolle Muster für den Webrahmen, von der Platzersparnis ganz zu schweigen.

    Deine Taschen sind super! Weben und dann filzen finde ich ne super Idee, aber ich hab grad 2 kg Wollvlies zum spinnen in Arbeit, da muss der Webrahmen noch ein bisschen warten.

    Liebe Grüße
    Moni

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  9. Verdammt, jetzt hast du mich total in Versuchung geführt! Bis jetzt verstricke ich meine selbst gesponnene Wolle. Aber weben habe ich schon als Kind geliebt.

    GLG

    Elke

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  10. Sind sehr schöne Webarbeiten.
    Weiss ja nun nicht, ob ich da der Auslöser war, ich finde auch mit einem Webrahmen kann man richtig weben. Rein für mich war halt das Weben auf dem Webrahmen nicht so interessant.
    Denn Leinwandbindung bringt zwar handgefärbte handgesponnene Wollen viel besser zur Geltung als irgendein Muster und trotzdem ist das nur ein winziger Teil zum Thema weben.
    Nicht umsonst dauert die Ausbildung 3 Jahre ;-)
    Logisch dauert die Kette schären auf nem Webstuhl viel länger, sind aber dann auch gerne mal 10 Meter und mehr ;-)
    Ich mag Leinwandbindung sehr und Deine Schals und auch die Taschen find ich toll.
    Dein Post macht mich trotzdem sehr traurig.
    Nix für ungut
    Karin/shorty

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  11. Liebe Karin,
    das gärt schon sehr lange in mir und hat mit dir persönlich nichts zu tun. Jedem das Seine, keine Frage. Mich stört, dass der Webrahmen so oft "runtergemacht" wird, das hat er nicht verdient. Ich möchte klarmachen, dass er für mich (und anscheinend nicht nur für mich allein) in der großen Welt des Webens seinen Platz hat und kein minderwertiges Anfängergerät ist.

    Melanie

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  12. Weben ist weben, mit was auch immer...das kann auch ne Postkarte und Klebeband sein ;o)
    Ich liebe aber auch meinen kleinen Webstuhl...nicht weil der breiter ist (nur 10 cm), sondern weil ich die Tritte so unglaublich praktisch finde ;o))...bin ein faules Mädchen ;o))...aber obwohl ich vier Schäfte habe finde ich persönlich die einfache Leinwandbindung am schönsten

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  13. Ui, die Taschen sind ja spitze!
    Dann klappt das mit dem Nähen ja doch schon richtig gut!? ;o)

    Vom Weben versteh ich leider nix, da der Virus bisher noch erfolgreich an mir abgeprallt ist, aber ich finde, das schaut nach "richtigem Stoff" aus.
    Und die Hauptsache ist doch, daß es DIR gefällt und Spaß macht, oder?

    viele liebe Grüße und einen schönen Tag!
    Manu

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  14. Das ist ja, als wäre Nähen mit der Hand kein richtiges Nähen, sondern nur auf der Nähmaschine. Die Tätigkeit an sich ist für mich Weben und das fängt mit einem gebogenen Pappestück an, das ich mit ein paar Fäden versehe und ein kleines Kind frimmelt da die Wolle durch. Den Schuh würde ich mir garnicht anziehen.
    Lieben Gruß
    Susanne
    (die auch zwei "geerbte" sog. Schulwebrahmen im Keller zu stehen hat und auch irgendwann damit WEBEN wird.)

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  15. Es kommt doch eigentlich darauf an, was man für eine künstlerische Idee im Kopf hat. Wenn mir ein kompiziertes Muster vorschwebt, dann brauche ich einen Webstuhl mit soundsoviel Schäften. Wenn ich etwas archaisch aussehendes machen möchte, dann ist vielleicht ein Stück Pappe das "Richtige" als Webgerät. Freiheit für alle kreativen Ideen - kann ich da nur sagen.

    Die Taschen sind übrigens wunderschön und ich persönlich kann der Leinwandbindung auch viel, viel abgewinnen.

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  17. Grins, ich gebe dir recht, und ich bin gelernter Textilmechaniker. das Weben auf einen Webrahmen ist etwas langwieriger, aber man kann darauf sehr gut "WEBEN". Wenn man weiss wie es funktioniert ist jede Musterung möglich, wie bei einer Jaqaurd Maschine, kann man auch bei einem Webrahmen jeden Faden einzeln bewegen. wenn man schuss und gegenschus nimmt so lässt sich in 2 farben pro Zeile Weben genau so wie auf einen Webstuhl. Blos das er ungleich teurer ist, dafür aber weniger Zeit benötigt, aber was er nicht bieten kann ist eine echte Webkante, da heute oft schützenlos mit Projektil Webmaschinen oder Greifern gearbeitet wird. Ich selber habe mitlerweile 4 kleine Webrahmen einen großen und einen auf 40 cm Breite.

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