Sonntag, 12. November 2017

BlogHop - Warum ich nähe und blogge

Als Ronja mich fragte, ob ich an der BlogHoptour - Warum ich nähe und blogge - Interesse hätte, hat alles in mir sofort „ja“ gesagt. Erstens weil ich bei sowas noch nie mitgemacht habe und zweitens weil ich das Thema spannend finde. Meine Vorgängerinnen Mareike von Rundherumblog, Karin von Grüner Nähen, Ines von Nähzimmerplaudereien, Tina von Tina Blogsberg und Gabi von Made with Blümchen haben schon viel Lesenswertes und Interessantes zu den Themen geschrieben und nun versuche auch ich, meine Gedanken dazu zu sortieren.



Warum blogge ich? Diese Frage habe ich mir selber auch schon ab und zu gestellt. Immer dann, wenn mich eine Blog-Unlust überkam, mir alles zuviel wurde oder ich eine unkreative Phase hatte. So ganz genau weiß ich es bis heute noch nicht, aber ich kann erzählen, wie alles anfing.

Eigentlich komme ich ja aus der „Wollwelt“. Von meiner Schwester mit dem Spinnvirus infiziert, habe ich irgendwann im Internet den ersten Blog einer Wollfärberin entdeckt, es kamen immer mehr dazu und in mir entstand das ganz dringende Bedürfnis, meine Spinnfasern selbst zu färben. Das habe ich dann auch gemacht, es hat mir unglaublich viel tiefe Freude bereitet, das Ganze hat sich ausgeweitet, ich habe ein Kleinunternehmen angemeldet und in ungefähr 5 Jahren sehr sehr viel bunte Spinnfasern verkauft. 



Aber schon davor habe ich mit meinem Blog begonnen. Durch die Blogs der Wollfärberinnen habe ich eine neue Welt entdeckt, die mir unglaublich viel gegeben hat. Ganz viele Tipps und Ratschläge habe ich dort gefunden, die mir auf meinem Wollfärbeweg sehr viel gebracht haben. Ich wollte mit meinen Ideen und Bildern der Bloggerwelt wieder etwas zurückgeben. Das hört sich jetzt sehr edelmütig (vielleicht auch eingebildet) an, aber genau dieses Gefühl hatte ich. Irgendwie ist das auch bis heute noch so. Inzwischen lese ich hauptsächlich Nähblogs, große bekannte und kleine unbekannte und bekomme dort viele Anregungen. Durch das Feedback, das ich auf meine Posts bekomme merke ich, dass das auch umgekehrt ein bisschen so ist. Auch nach so langer Zeit, freue ich mich unglaublich über jeden Kommentar. So ein Feedback ist wichtig und es gibt einem das Gefühl, dass man die Leser auch wirklich erreicht (und ich fasse mir jetzt selber ganz fest an die Nase, weil ich ganz oft ziemlich kommentierfaul bei anderen Blogs und mir immer vornehme, mich dahingehend zu bessern. Ich nehme mir das jetzt ganz fest vor!!!). Und das Allerwichtigste: ich habe durch meinen Blog so viele liebenswerte, kreative und besondere Menschen kennengelernt, viele persönlich, manche (bisher) nur virtuell. Das empfinde ich als sehr bereichernd und genau genommen ist das eigentlich der schönste Aspekt des Bloggens.

Außerdem betrachte ich meinen Blog inzwischen wirklich auch als Handarbeitstagebuch und ab und zu stöbere ich in alten Beiträgen rum und staune, was ich im Laufe der Jahre so alles gemacht habe.




Und warum nähe ich? Das wundert mich bis heute, denn mit 18 habe ich einen VHS-Nähkurs besucht und ihn mit einem Trauma nach dem dritten Abend verlassen. Es war ein Anfängerkurs und der einzige Anfänger dort war ich. Alle anderen hatten schon einiges an Näherfahrung, die Kursleiterin war eine gelernte Schneidermeisterin der alten Schule und es ging von der ersten Minute an alles Schlag auf Schlag. Und ich stand da und verstand nur Bahnhof. Das war der Schneidermeisterin leider total egal, ich hab halt dann irgendwie mitgemacht und nach dem dritten Abend war ich den Tränen nahe und bin dann nicht mehr hingegangen. Damit war das Thema Nähen für mich durch. Kann ich nicht, mag ich nicht und Nähmaschinen sind gefährliche Monster, die dem Menschen nach dem Leben trachten.

Im Laufe der Jahre hab ich immer etwas Kreatives gemacht: Stricken in den 80igern, ich habe großformatige Acrylbilder gemalt, Mosaiken aus Tiffanyglas gelegt, zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich einer Zeit lang auch der Serviettentechnik verfallen war ;-), meine Hände brauchten immer Beschäftigung und meine Augen und mein Herz Farbe. 



Während meiner wolligen Zeit habe ich mir in einem Augenblick der geistigen Umnachtung eine Nähmaschine gekauft, ich weiß bis heute nicht warum. Die stand dann ein halbes Jahr in der Ecke, dann hat uns meine Nachbarin die Grundfunktionen gezeigt und das Ergebnis war, dass die Tochter Feuer gefangen hat. Sie hat ihre alten Klamotten zerschnitten und daraus Taschen genäht und weil sie gar so begeistert war, habe ich sie zu einem Kindernähkurs angemeldet. Ich habe mich gefreut und gestaunt, wie schnell sie alles gelernt hat, aber für mich ist das nix.

Und dann, ganz ehrlich, auch wenn es sich total seltsam anhört: ich bin eines Morgens aufgewacht und habe mir gesagt: heute fange ich an zu nähen. Ich hab mir die Maschine geholt und ein bisschen rumprobiert. Und dann gleich Taschen aus Wollwalk und selbstgewebten Stoffen genäht. Erst noch ohne Futter und ganz schlicht. Das waren meine ersten Nähwerke die ich am 24. April 2015 gebloggt habe:




Doch als ich dann die ersten E-Books entdeckt hatte, wurde alles ganz schnell etwas aufwendiger. Ich lernte Reissverschlüsse einnähen, wie man Träger macht usw. usw. Und ich war hell begeistert. Denn ich liebe Taschen, ich bin sozusagen taschensüchtig. Endlich konnte ich meine Ideen umsetzen.






Irgendwann war es dann soweit, dass ich mich auch an Kleidung getraut habe. Wieder mit Hilfe von E-Books habe ich meine ersten Klamotten genäht und festgestellt, dass das (meistens) viel weniger Aufwand bedeutet, als eine Tasche zu nähen.
So nahm das alles seinen Lauf und inzwischen nähe ich fast meine ganze Oberbekleidung selber. An Hosen habe ich mich noch nicht getraut und Röcke trage ich nur sehr selten. Was ich am Nähen am allerbesten finde ist, dass ich beim Nähen auf meine Figur eingehen kann. Ich habe eine sehr ausgeprägte Sanduhr-Figur und die allermeiste Kaufkleidung passt mit nicht gut. Wenn es oben passt, ist es unten zu eng und umgekehrt. Nähe ich mir ein Shirt, kann ich meine Taille betonen und an der Hüfte breiter werden, genau so, wie ich es brauche. 




Der andere Aspekt ist, dass ich nicht in Massenware herumlaufen muss und (meistens) qualitativ hochwertige Stoffe trage. Auch wenn selbstgenähte Kleidung alles andere als billig ist und ich viel zu viel Geld für Stoffe ausgebe. Ich erschrecke manchmal, wenn ich mit der Tochter in einschlägigen Klamottenläden unterwegs bin, wie unglaublich billig ein Shirt, ein Pullover oder auch ein Blazer sein kann. Wenn man dann mal nachrechnet, was allein der Stoff kostet, dann muss einem klar sein, dass dabei ganz viele Leute draufzahlen. Das ist bei meiner Kleidung anders und das gibt mir ein gutes Gefühl.

Mein Beitrag ist jetzt viel länger geworden als gedacht, obwohl mir noch viel mehr dazu eingefallen wäre. Lustig, ich hab mir die ganze Woche Sorgen gemacht, was ich denn genau schreiben soll. Und jetzt haben die Finger einfach losgelegt …

Bei wem es mit der Blogtour in den nächsten Tagen weitergeht sehr ihr nachstehend. Schaut doch dort auch mal rein, ich bin gespannt, was die weiteren Teilnehmerinnen berichten werden.


15.11.2017: Susanne von Frau Nahtlust
17.11.2017: Karin von LOCKwerkE
19.11.2017: Maika von Maikaefer16
22.11.2017: Sandra von Eule im Schlafanzug
24.11.2017: Ronja von just sewn

Kommentare:

  1. Liebe Melanie, seit vielen Jahren schon verfolge ich Deinen Blog und habe damals auch viele handwerklich perfekt gefärbte Wollzöpfe für mein Spinnrad gekauft. Und erinnerst Du Dich noch an unsere "Färbeorgie im Kuhstall" bei Astrid in Seeth (das war 2011)?
    Letztendlich hast Du mich auch an die Nähmaschine gesetzt, Dein "Taschen-Näh-Virus" war einfach zuuu ansteckend. Blogs können das eigene Leben ganz schön beeinflussen, machen neugierig auf Neues, oder geben Tipps für Vertrautes - für jedes Hobby gibt es was Passendes.
    In puncto Nähen bin ich noch einen Schritt weiter gegangen und bin über die Gruppe "6 Köpfe 12 Blöcke" am Patchwork hängen geblieben - eine Welt für sich mit unwahrscheinlich vielen Facetten.
    DANKE für Deine "Lebenszusammenfassung" und Grüße an Melino...
    Versponnene + vernähte Grüße
    Cornelia

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    1. Liebe Cornelia,

      vielen Dank für deine zahlreichen lieben und ausführlichen Kommentare. Du bist wirklich eine treue Seele. Natürlich habe ich unsere Färbeorgie nicht vergessen, so etwas erlebt man nur einmal im Leben. Das war ein ganz toller Tag.

      Ich find es ganz toll, dass ich dich mit dem Nähen infiziert habe. Stell dir vor, gestern hab ich mir auch ein kleines Patchworkbüchlein gekauft. Ich finde ja so Quilts richtig toll, da geht mein Färberherz auf. Nur hab ich Angst, weil das alles ja ziemlich kleine Fuzzelteilchen sind, die ein sehr genaues Arbeiten erfordern. Aber irgendwann setz ich mich da auch mal dran, das ist sicher.

      Ganz herzliche Grüße in den Norden
      Melanie

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  2. Liebe Melanie,

    ein schöner Beitrag. Man sieht glaube ich mittlerweile ganz gut, dass es beim Bloggen den Meisten so geht, dass die Kontakte das Wichtigste sind.
    Das mit Deinem VHS-Kurs ist echt ärgerlich. Ich glaube das ist man mit Themenbezogenen Anfängerkursen besser aufgestellt. Also wenn z.B. nur eine leichte Tasche genäht wird.
    Aber die meisten Sachen habe ich tatsächlich auch über eBooks gelernt. Ein Mininähkurs mit vielen Bildern also. Ich habe ja selber auch eBooks erstellt und mir war immer ganz wichtig, dass ich keine Schritte auslasse. So soll es in jedem Fall anfängertauglich sein, damit man auch jeden mitnimmt.
    Ich finde übrigens Deinen Werdegang sehr spannend. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass die Hände beschäftigt werden möchten und habe auch schon immer alles ausprobiert. Durch das Lesen von Blogs stelle ich fest, dass es anderen genauso geht.
    Vielen Dank dass Du bei der Tour dabei warst und sie um einen schönen Beitrag bereichert hast.

    LG Mareike

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    1. Liebe Mareike,

      ich bedanke mich bei euch, dass ich bei der Blogtour dabei sein. darf. Denn es war auch für mich spannend, den Blogpost zu schreiben und mein "Bloggerleben" Revue passieren zu lassen.

      Meiner Meinung nach kann man auch als Anfänger mit einem guten E-Book nähen lernen. So wie du gesagt hast, wirklich viele Bilder, jeden Arbeitsschritt genau erklären und nicht vergessen, dass für Anfänger auch die simpelsten Dinge nicht selbstverständlich sind.

      Liebe Grüße
      Melanie

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  3. Liebe Melanie,
    schön, von dir zu lesen! Und wie gut, dass dich nach deinem traumatischen Nähkurs das Nähfieber doch gepackt hat. Ich hab gerade gestaunt, wie toll schon deine ersten Taschen aussehen. Schon super professionell! Deinen Blog lese ich super gern und hab hier schon eine Menge Inspiration gefunden, ich freu mich also sehr, dass du bei unserer Blogtour dabei bist :)
    Liebe Grüße,
    Ronja

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    1. Hallo Ronja,

      ja, ich bin echt auch froh, dass ich irgendwann den schrecklichen Kurs abhaken konnte. Das Nähen gibt mir so unglaublich viel, ich kann mir mein Leben ohne Nähmaschine tatsächlich nicht mehr vorstellen. Grad sitze ich an den Weihnachtsgeschenken und danach nähe ich für den Weihnachtsmarkt weiter.

      Das mit der Inspiration beruht sich auf Gegenseitigkeit, meine Täschchenliebe habe ich deinem Blog zu verdanken, deine Täschchen sind was ganz Besonderes.

      Einen schönen Sonntag und liebe Grüße
      Melanie

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  4. Liebe Melanie,
    ist das schön, dass Du uns in dein "Blogger-Leben" mitreinnimmst! Deine erstgenähte grüne Tasche ist wunderschön - und auch so passend zu Deinen Wollanfängen.
    Die Entscheidung "heute fange ich an zu nähen" finde ich so cool - ich glaube, solche spontanen entschlossene Entscheidungen sind oft die, die am längesten anhalten.
    Ich lisbe auch Ebooks, obewohl ich mit den klassischen Burda- und Neue Mode-Schnitten das Nähen gelernt und verfeinert habe. Ebooks kann man im eigenen Tempo durcharbeiten und die Bilder mag ich da auch immer sehr (auch wenn es leider auch schlechte Ebooks gibt).
    Schön, Deinen Blog über den BlogHop kennengelernt zu haben!
    Liebe Grüße
    Ines

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  5. Was ist an Serviettentechnik so schlimm? Ist doch schön, wenn frau irgendwie kreativ ist, kaufen kann jeder...
    Liebe Grüße, Conni

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  6. Liebe Melanie, welch ein Post und wie schö, dass ich dich doch in diesem Jahr noch persönlich kennengelernt habe, der Bloggerwelt sei Dank ;O). Über vieles haben wir geschnattert, auch über das Bloggen und warum nun nähen. Es ist doch schon sehr interessant, welche Wege man so im Leben geht.
    Ich lese und vor allem gucke ich sehr gern bei dir... also mach bitte weiter so und streue ordentlich Viren in die Welt;O)
    Lieben herzlichen Inselgruß
    Kerstin

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